Hohe Bäume selber schneiden – wann, warum und wie gelingt es?

Landwirte, Gärtner und Gartenbesitzer wissen, dass das Zurückschneiden von Bäumen gelegentlich erforderlich ist. Aber warum eigentlich? Was ist beim Rückschnitt von hohen Bäumen zu beachten? Dieser Artikel verrät Ihnen, warum und wann Sie effektiv hohe Bäume schneiden. Sie erfahren außerdem, inwiefern Sie von dem Einsatz von Arbeitsbühnen profitieren können.

Warum ist das Bäume schneiden wichtig? Gründe für den Baumschnitt

Nicht jeder Baum benötigt einen Rückschnitt. Einige Bäume erreichen außergewöhnliche Wuchshöhen, Formen und Durchmesser. Wer hohe Bäume sein Eigen nennt, fragt sich mitunter, warum der Rückschnitt nötig sein könnte. Insbesondere Obstbäume profitieren von einem Rückschnitt. Durch einen kompetenten Schnitt verbessern Sie die Ernte und fördern zusätzlich die Gesundheit und Lebenserwartung des Baumes.

Selber Bäume schneiden – Vorteile bei Obstbäumen

Hohe Bäume verschaffen vielen Lebewesen einen wertvollen Lebensraum. Sie tragen mit dem Erhalt der großen Pflanzen zu einem gesunden, ökologischen Gleichgewicht bei. Eine gute Pflege hoher Bäume ist ratsam, damit Ihnen der Baum viele weitere Jahre erhalten bleibt. Solch ein Rückschnitt fördert die Astbildung. Bäume, die Früchte tragen, liefern vor allem entlang der jüngeren Äste bessere Früchte.

Außerdem profitieren Sie von dem Ausdünnen einzelner Äste. Insbesondere nebeneinanderliegende Bereiche lassen sich vorteilhaft ausdünnen. Dadurch gelangt mehr Sonnenlicht auf Blätter und Früchte. Dies fördert wiederum ein gesundes Wachstum des Baumes. Wer die Bäume regelmäßig selber schneidet, verhindert zudem die Gefahr einer Baumkrankheit (z. B. Pilzbefall und Baumkrebs).

Durch einen sachgemäßen Beschnitt der Triebe erhalten Sie eine optimale Form des Baumes. Speziell bei Obstbäumen ist ein kegelförmiges Schnittmuster empfehlenswert. Dadurch erreichen die Sonnenstrahlen mehr Blätter und Früchte, die aufgrund der optimierten Sonnenbestrahlung besser ausreifen. Die Kegelform der Bäume erreichen Sie durch das Zurückschneiden der unteren Triebe.

Wann ist die richtige Zeit zum Bäume schneiden? Schnittzeiten und gesetzliche Vorgaben

Für den Schnitt bei Bäumen und Hecken sind gesetzliche Regeln zu beachten. Besonders der Natur- und Artenschutz sind relevant. Wer einen unter Naturschutz stehenden Baum entfernt, begeht eine Straftat. Das gilt ebenfalls für den Artenschutz. Bäume, in denen Tiere ihre Brutstätten pflegen, unterstehen dem Artenschutz und dürfen keinesfalls beseitigt werden. Es drohen sonst hohe Bußgelder (bis 50.000 Euro). Insbesondere Hornissen und Fledermäuse benötigen zum Nisten einen ruhigen Platz. Dementsprechend gelten spezielle Schnittzeiten im Jahr, in denen der Rückschnitt von Bäumen verboten ist.

Bäume schneiden zum richtigen Zeitpunkt – Frühling, Sommer, Herbst oder Winter?

Sträucher, Hecken und Bäume bieten einer Vielzahl von Lebewesen einen Lebensraum. Diese Lebensräume für Kleintiere (bspw. Mäuse oder Igel) sowie Vögel dürfen Sie in der Zeit vom 01. März bis zum 30. September nicht zurückschneiden. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Baum sich somit wahllos in alle Richtungen verbreitert. Vielmehr sind kleinere Pflegeschnitte durchaus erlaubt. Diese Schnitte sind aber nur erlaubt, sofern sie die Gesundheit des Baumes fördern und den unerwünschten Zuwachs entfernen. Im Regelfall ist die optimale Jahreszeit zum Bäume schneiden das zeitige Frühjahr.

Im Januar und Februar ist der Zeitpunkt zum Schneiden für die meisten hohen Bäume ideal. Die Gründe dafür liegen in den Wachstumsphasen der Bäume begründet: Im Winter hat ein Baum schlechtere Chancen, Schnittverletzungen schnell und effektiv selbst zu heilen. Normalerweise reagieren Bäume auf einen Rückschnitt, indem sie die betroffene Stelle verschließen und die Gefäßbahnen für Eindringlinge unzugänglich machen. Sie schotten sich ab. Im Frühling und Sommer hingegen wächst der Baum, sodass Schnittverletzungen schneller und besser heilen.

Methoden zum Bäume schneiden: Welche Schnitttechniken existieren?

Sie wollen Ihren Baum selber schneiden? Dann ist es hilfreich, die wichtigsten Schnitttechniken zu kennen. Generell lassen sich die Schnitttechniken in Form von vier Varianten beschreiben: Erhaltungsschnitt, Erziehungsschnitt, Pflanzschnitt und Kronenschnitt. Jede Technik zielt auf einen anderen Aspekt der Baumpflege ab. Dabei beachten Sie im Idealfall, dass jeder Schnitt Ihrem Baum grundsätzlich schadet. Aus diesem Grund sollten Sie sich im Vorfeld genau überlegen, welche Äste und Zweige Sie beseitigen wollen.

Erziehungsschnitt – dichtes Blattwerk, optimales Wachstum

Der Erziehungsschnitt betrifft hauptsächlich jüngere Bäume. Bäume verbringen in jungen Jahren viel Zeit mit dem Aufbau der Krone. Äste wachsen im Jahresverlauf immer weiter, einige wenige (ca. vier) kommen neu hinzu. Bei einem Erziehungsschnitt beschneiden Sie die neu hinzugekommenen Äste oder binden sie zusammen. Dieses Vorgehen sorgt dafür, dass sich die betreffenden Äste optimal an die Lücken im Baum anpassen. Der Erziehungsschnitt dient somit unmittelbar der Form des Baumes.

Erhaltungsschnitt – gesunde Bäume erhalten

Der Erhaltungsschnitt dient im Gegensatz zum Erziehungsschnitt dem Erhalt des Baumes. Rückschnitte sind daher die Regel, besonders bei älteren Bäumen. Ältere Bäume sind meistens von einem Erhaltungsschnitt betroffen, um gesund weiterzuwachsen. Jüngere Bäume verfügen noch nicht über ein ausreichendes Maß an Äste und Zweige, damit sich der Rückschnitt lohnt. Stattdessen lohnt sich der Erhaltungsschnitt im Herbst bei den älteren Pflanzen.

Bei dieser Technik entfernen Sie sämtliche abgestorbene Zweige und Äste. Außerdem sind die senkrecht hinaufwachsenden Äste zu beseitigen. So stellen Sie sicher, dass der Baum eine schöne Krone ausbildet und die Zweige sich nicht gegenseitig stören. Beachten Sie beim Abbinden der Äste, dass Sie sie nicht zu straff binden. Schließlich soll das jeweilige Band nicht in den Baum einwachsen.

Pflanzenschnitt – am Anfang war der Schnitt

Beim Pflanzen neuer Bäume erfolgt im Idealfall ein erster Schnitt. Dieser verhilft dem Baum zu einem kräftigen Wuchs und einer gut ausgebildeten Krone. Dieser Pflanzenschnitt funktioniert, indem Sie sich einen starken Mittelzweig als den sogenannten Leittrieb auswählen. Damit der Baum ein ausreichend dichtes Blattwerk zur Seite hin ausbildet, reichen pro Wuchsetage vier Äste.

Kronenschnitt – eine besondere Schnitttechnik

Im Vergleich zum Pflanzenschnitt ist der Kronenschnitt eine bedeutende Schnitttechnik. Die Krone des Baumes ist das sogenannte Triebwerk. Mithilfe der Blätter, die an den Ästen und Zweigen hängen, nutzt der Baum die Photosynthese. Kurz gesagt: Er erhält durch das einfallende Sonnenlicht einen Teil der benötigten Energie, damit er gedeihen kann. Die Blätter sind daher ein wesentlicher Bestandteil des Baumes. Deshalb sollten Sie bei einem Kronenschnitt niemals mehr als ein Viertel (25 Prozent) der Äste abschneiden. Zudem geht das radikale Kürzen der Äste mit einer Schwächung des gesamten Baumes einher: Bedenken Sie daher, dass mit jedem Schnitt am Baum eine Stelle entsteht, an der sich Krankheitserreger einnisten. Der Baum kapselt Pilze, Fäulniserreger und ähnliches ein. Das wirkt sich automatisch ungünstig auf die Gesundheit des gesamten Baumes aus.

Ein unprofessioneller oder exzessiver Kronenschnitt sorgt dafür, dass der Baum eine neue Krone auszubilden versucht. Dafür sind sämtliche Energiereserven notwendig, die der Baum besitzt. Infolgedessen mangelt es dem Wurzelwerk an wertvollen Nährstoffen. Ein Baum, der durch einen radikalen Kronenschnitt ohnehin geschwächt wurde, ist somit ein ideales Ziel für Holzfäule und schädliche Pilze. Nicht zuletzt ist zu bedenken, dass ein Baum durch das Zurückschneiden von Ästen stets neue Triebe ausbildet. Diese sollen die abgeschnittenen Triebe ersetzen. Allerdings wachsen die Ersatztriebe schnell. Das führt dazu, dass sie weniger robust als ihre Vorgänger sind.

Hilfsmittel und Arbeitsbühnen – Bäume richtig schneiden

Das Schneiden hoher Bäume ist mit einigen Hilfsmitteln leichter möglich. Arbeitsbühnen, wie z. B. Teleskopbühnen, erleichtern den Aufwand des Baumschnitts. Verschiedene Scheren, Sägen und Arbeitsbühnen vereinfachen die meterhohe Arbeit am Baum. Im privaten Bereich kommt oftmals eine Gartenschere zum Einsatz. Diese ermöglicht das Beschneiden von Zweigen mit einem Durchmesser von höchstens 1,5 Zentimetern. Dickere Zweige und Zierhölzer lassen sich mit einer Astschere beschneiden.

Die sogenannten Amboss-Scheren und Bypass-Scheren eignen sich vorrangig für umfangreicheres Gehölz. Im Gegensatz dazu kommen Stichsägen und Bügelsägen bei dickeren Ästen zur Anwendung, wohingegen eine sogenannte Hippe für dünne Äste und Zweige infrage kommt. Insbesondere wenn das zu schneidende Holz gesund ist, ist eine Bypass-Schere empfehlenswert.

Mithilfe einer Arbeitsbühne lassen sich schließlich Baumkronen hoher Bäume (Eiche, Linde, Buche, Ahorn, etc.) bequem schneiden und ausdünnen. Eine Teleskop-Arbeitsbühne oder Hub-Arbeitsbühne ist das ideale Mittel, um bequem hohe Höhen zu erreichen. LKW-Hebebühnen erlauben zum Beispiel Arbeitshöhen über 30 Meter. Für hohe Bäume sind diese Hilfsmittel optimal.